IGEL-Leistungen / Private Zusatzleistungen

§ 12 des 5. Sozialgesetzbuches besagt:

(1) Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Leistungen, die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind, können Versicherte nicht beanspruchen, dürfen die Leistungserbringer nicht bewirken und die Krankenkassen nicht bewilligen.

(2) Ist für eine Leistung ein Festbetrag festgesetzt, erfüllt die Krankenkasse ihre Leistungspflicht mit dem Festbetrag

Daraus ergibt sich, dass der diagnostische oder therapeutische Nutzen von Leistungen nachgewiesen sein muss, bevor die Leistungen Bestandteil des gesetzlichen Leistungskataloges werden können.

Die Entscheidungsvollmacht („untergesetzliche Normenvollmacht“) wurde durch den Gesetzgeber einem gemeinsamen Bundesausschuss g-BA übertragen, in dem Vertreter der Krankenkassen und der Leistungserbringer im Gesundheitswesen sowie „Unparteiische“ „sitzen“. Der g-BA beschließt neue Richtlinien oder aktualisiert bestehende (beispielsweise die Hilfsmittel Richtlinie, die Heilmittel Richtlinie oder die Arzneimittel Richtlinie). Der Nutzen muss wissenschaftlich nachgewiesen werden (also zum Beispiel durch aufwändige klinische Studien). Der ökonomische Nutzen bleibt häufig fragwürdig (z.B. bei „Me-too“ Arzneimitteln der gleichen Substanzgruppe). Hier entsteht für alle Beteiligten reichlich Diskussionsbedarf oder auch „Zündstoff“ für Streitthemen. Alleine auf dem Markt von chemischen und tradionell verwendeten Arzneimitteln gibt es von vielen Seiten Kritik. So hat der Gesetzgeber "Besonderen Therapierichtungen" (Homöopathie und Anthroposophische Medizin) Erstattungsfähigkeit von Leistungen (Medikamente,aufwändige Beratungen, Therapieverfahren...) zugestanden, ohne dass streng wissenschaftlich eine hohe Evidenz vorliegt. Man fragt sich, warum dann andere Verfahren (wie die Neuraltherapie, klassische Naturheilverfahren, TCM oder orthomolekulare Medizin…), die nicht weniger wissenschaftliche Evidenz im Vergleich zu den „Besonderen Therapierichtungen“ aufweisen, nicht in die Erstattungsfähigkeit einbezogen wurden!

Auf diesem Hintergrund (komplexe Thematik, von mir nur angedeutet) sind naturheilkundlich tätige Ärzte in großem Umfang herausgefordert, Leistungen wie spezielle, von den gesetzlichen Kassen als „private Wunschleistung“ bewertete individuelle Beratungsleistungen und naturheilkundliche Therapien als Privatleistungen mit den Betroffenen direkt abzurechnen. Sie werden bei gesetzlich Versicherten gemäß der Gebührenordnung für Ärzte zu einem definierten Steigerungssatz abgerechnet.

Damit fällt ein Großteil regulativmedizinischer Beratungen oder Beratungen zur individuellen Gesundheitsförderung in die Rubrik der IGE-Leistungen (Individuelle Gesundheitsleistungen). Gleiches gilt für die Neuraltherapie. Sie gehört zu den naturheilkundlich – regulativen Therapieverfahren, die in der Schweiz von allen gesetzlichen Kassen bezahlt werden. Durch einen Volksentscheid wurde vor einigen Jahren ein Lehrstuhl für 3 regulative Therapieverfahren an der Universität Bern eingerichtet (Homöopathie, Akupunktur und Neuraltherapie) und mehrjährige nationale Forschungsprogramme ins Leben gerufen, welche inzwischen zumindest teilweise auch die ökonomische Effizienz dieser Verfahren bei bestimmten chronischen Erkrankungen nachweisen konnten.

Eine Reihe von Ärzten geben "Preislisten" für ihre IGEL-Leistungen heraus. Damit setzen Sie z.T. die pauschalierte Medizin unter umgekehrten Vorzeichen fort. Ich bemesse meine Zuzahlungsleistungen so genau wie möglich an der geleisteten Arbeit. Als Grundlage dient, wie schon gesagt, die GoÄ, die Gebührenordnung für Ärzte. Sie stammt aus den neunziger Jahren und ist nicht an den Lebenshaltungsindex / die Inflation angepasst worden. Mit meinen Steigerungssätzen bewege ich mich in aller Regel zwischen dem Multiplikator von 2.3 – 3.5! Wunsch-Laborleistungen werden in der größeren Zahl der Fälle direkt vom Labor in Rechnung gestellt. Ich bemühe mich, nur mit Laborärzten zusammenzuarbeiten, die Privatzahlern faire Preise anbieten.

Wie schon angedeutet: Nicht alle von medizinischen Dienstleistern „angebotenen“ IGE-Leistung sind wirklich sinnvoll. Inzwischen sind so manche apparative Selbstzahlerleistungen auf dem Markt, die dem Patienten wenig, aber dem Dienstleister viel einbringen. Die Spreu vom Weizen zu trennen ist zweifelsohne nicht immer einfach. Hier einige Hilfestellungen zur Differenzierung:

  1. Lassen Sie sich als Patient gründlich beraten und schriftliche Information geben zur angebotenen IGEL Leistung.
  2. Lassen Sie sich Zeit, bevor Sie zusagen und den Kostenrahmen schriftlich geben (bei einem Handwerker holen Sie sich ja auch erst ein Angebot ein, bevor Sie den Auftrag erteilen).
  3. Holen Sie sich bei größeren Investitionen eine (ggf. honorierte) Zweitmeinung ein von einer Fachfrau / einem Fachmann, die/der sich mit dem angebotenen Verfahren auskennt. Nutzen Sie Informationsquellen wie Internet etc. zur gezielten Vorbereitung, bevor Sie mit dem Experten sprechen.
  4. Investieren Sie lieber in eine solide Beratung als in teure und hinsichtlich ihrer Wirkung zweifelhafte apparative Therapieverfahren, die Ihnen auf Glanzprospekten angeboten werden.
  5. Holen Sie für die angebotene IGEL Leistung zumindest ein weiteres Angebot ein